Weckgeschichten


Die Weckgeschichten, die Ihrer Seele täglich einen positiven Schubs verpassen und Sie fröhlich in den Tag starten lassen. Hören Sie rein – es lohnt sich!

- Am 13. September und 
- am 15. Oktober 
kommen Sie in den Genuss meiner Geschichten.

Mit einem iPad, einem iPhone, einem Smartphone oder einem Table mit Android-Betriebssystem kommen Sie in den Genuss dieser 3-Minuten-Weckgeschichten (die Sie natürlich auch erst im Verlauf des jeweiligen Tages hören können) – für Fr 2.-- drei Monate lang. Alle Details finden Sie unter www.literiki.com.



Im Brugger General-Anzeiger erschien am 10. 3. 16 meine Kolumne

  Im Trend

 „Blau steht mir nicht“, sagte sie entschieden und legte das königsblaue T-Shirt wieder zurück. Die Verkäuferin zuckte mit den Schultern. „Haben Sie nichts in Violett?“ fragte die Frau. „Das ist dieses Jahr nicht Mode“, belehrte sie die Verkäuferin. „Was ist denn dieses Jahr Mode?“ fragte die Frau nicht ohne Ironie in der Stimme. „Blau“, antwortete die Verkäuferin knapp. „Na dann“, sagte die Frau und verliess mit einem kühlen „Adieu“ das Geschäft.

Sie schlenderte die Einkaufsstrasse entlang und warf suchende Blicke in all die Kleidergeschäfte, die sich fast eines an das andere reihten. Tatsächlich, stellte sie fest, überall Blau, Blau in allen Schattierungen. Sie schüttelte den Kopf. Sie würde sich doch nicht von der Mode diktieren lassen! Blau stand ihr nun mal nicht, und ohnehin: Wenn alle Blau trugen, dann wollte sie es erst recht nicht tun! Wie konnten die Frauen, die sich dem Modediktat unterwarfen, derart ihre Individualität aufgeben? Natürlich: Es ging darum, dazuzugehören. Wollte sie denn nicht dazugehören? Irgendwie schon, gestand sie sich ein; jedenfalls war sie eigentlich nicht zur Aussenseiterin gemacht. Aber deshalb auf all die Vielfalt verzichten, die das Leben zu bieten hatte? Nein!

Eigentlich hatte sie sich zur Feier ihres heutigen Hochzeitstages etwas Neues kaufen wollen, aber nun ...

Als sie nach Hause kam, war Jacques schon da. Sie ging zum Kleiderschrank und fragte sich unschlüssig, was sie anziehen sollte. Als hätte er ihre Frage gehört, rief er von draussen: „Ziehst Du mal wieder das kleine Schwarze an?“ Sie stutzte. Er mochte diese Farbe sonst nicht an ihr. Als er aber hereinkam, sah sie ihn verschmitzt lächeln. Aha, er hatte also eine Ueberraschung auf Lager.

Mach die Augen zu“, flüsterte er, als sie angezogen war. Ein sanftes, schmeichelndes, leicht kühles Etwas legte sich um ihren Hals. Sie öffnete die Augen. Er hatte ihr einen luftigen Seidenschal um den Hals drappiert. Er war blau!



Die Bank unter der Linde

Im Brugger General-Anzeiger erschien am 12. 11. 15 meine Kolumne

Die Bank unter der Linde

Früher stand diese Linde auf dem Dorfplatz, und auf der Bank darunter trafen sich die Dorfbewohner in den Momenten der Musse. Man kannte sich, tauschte Neuigkeiten aus, beklagte vielleicht die Mühen des Alltags, die Aelteren ihre Schmerzen und Gebrechen, und die Jungen schmiedeten Pläne für die Zukunft.

In manchen Dörfern gibt es sie noch heute, die Linde mit der Bank darunter, und immer, wenn ich auf eine treffe, setze ich mich unter sie und träume ein bisschen. Am schönsten ist es im Juni, wenn die Lindenblüten ihren betörenden Duft verströmen.

Diese Linde mit der Bank darunter fehlt uns heute. Wir sitzen im Kino, in Cafés, Restaurants, vielleicht sogar auf einer Bank, aber immer suchen wir uns einen einsamen Platz und ein leeres Bänkchen. Und wenn wir kommunizieren wollen, holen wir das Handy aus der Tasche und reden ins Leere.

Manchmal wünsche ich mir eine kleine Katastrophe herbei, die uns - wenigstens für kurze Zeit – das kostbare Gefühl des Zusammengehörens wieder fühlen lässt.

Zum Beispiel: Es ist Winter. Wir stehen an der Bushaltestelle, aber der Bus kommt nicht. Wir warten. Was können wir tun? Da sind neben uns die anderen Wartenden, und wir hören, welche Gedanken sie sich über das Ausbleiben des Busses machen, warum es für jeden einzelnen so wichtig wäre, dass der Bus endlich kommt. Unerwartet und ungewollt sitzen wir plötzlich alle im gleichen Boot.

Vielleicht sind die Strassen vereist, und der Bus ist im Stau steckengeblieben. Wenn er dann endlich kommt, sind wir so erleichtert, dass wir dieses Gefühl mit den anderen teilen. Wir kommen uns näher!

Endlich heil am Ziel angekommen, verabschieden wir uns von den Mitreisenden wie von vertrauten Nachbarn. Wir fühlen uns gut und fragen uns vielleicht erstaunt, warum. Es war doch ein grosses Aergernis, das uns widerfahren ist. Oder etwa nicht?

Der Zeitgeistwidersetzer

Im Brugger General-Anzeiger erschien am 4. 6. 15 meine Kolumne:

 Der Zeitgeistwidersetzer

Er sitzt! In der U-Bahn! Das ist ein Glücksfall!

Immer mehr Menschen drängen sich in den Zug. Bald wird es so eng, dass die Passagier-Schieber mit ihren weiss behandschuhten Händen die Menschenmassen in den Zug hineinschieben müssen.

Mit leerem Blick und müdem Gesicht starren die Menschen im Schein der unbarmherzigen Neonbeleuchtung vor sich hin. Manche dröhnen sich mit Musik zu. Andere versuchen, im Stehen die Zeitung zu lesen. Manche schlafen und erwachen nur an den Stationen, wenn Bewegung in die Massen kommt.

Er aber sitzt auf seinem Platz, lässt seine Augen über die Menschen wandern und lächelt. Es genügen ihm dafür Kleinigkeiten: Zwei Kinder, die einander den Schulstoff abfragen, der schlafende Mann, dessen Kopf regelmässig auf die Schulter seines Nachbarn fällt, und sogar die pflichtbewussten Passagier-Schieber.

An seinem Ziel angekommen, betritt er einen grossen Platz, der umgeben ist von Hochhäusern. Hier blinkt und glitzert es, und der Platz ist erfüllt von Menschen, Autos und einschmeichelnder Lautsprecher-Musik.

Der Mann wendet sich einem kleinen Park zu und setzt sich auf die Bank unter dem nun blühenden Kirschbaum. Er atmet tief den Duft der Kirschblüten ein. Dann legt er den Kopf in den Nacken und verliert sich mit seinem Blick in den rosaroten Blüten und dem blauen Himmel mit den vereinzelten langsam ziehenden weissen Wolken dahinter.

Plötzlich landet eine Krähe vor seinen Füssen. „Da bist du ja“, lächelt der Mann und öffnet sogleich seine Aktentasche. Die Krähe fliegt auf seinen Schoss und trippelt unruhig hin und her. „Sei nicht so ungeduldig, du bekommst es ja“, sagt der Mann und hält der Krähe die offene Hand mit den Brotstückchen hin. Die Krähe pickt diese geschickt auf.

Danach steht der Mann auf, schliesst die Aktentasche und macht sich gemächlich auf den Weg zur Arbeit.

Postkartengrüsse

Im Brugger General-Anzeiger erschien am 6. 8. 15 meine Kolumne:

 Postkartengrüsse

Wie immer nahm sie sich vor, ihren zahlreichen Freunden aus den Ferien eine Karte zu schreiben. Nur: Was sollte sie diesmal schreiben?

Entspannungsferien hatte sie machen wollen auf dieser Insel, tagsüber am Strand liegen, am Abend gut essen, ein Glas Wein trinken und in der Nacht den Wellen lauschen und dann zufrieden einschlafen.

Nichts davon hatte sich erfüllt. Es regnete hier seit Tagen, und, anstatt am Strand zu liegen, musste sie sich mit einem Buch in ihrem Hotelzimmer verkriechen. Zu Hause wäre es jetzt gemütlicher!

Es gab nur ein einziges Restaurant hier im Dorf, und dort war der Kellner unmotiviert, das Essen zu fettig und der Wein sauer.

Und die Nächte? Statt der Meeresbrandung hörte sie aus der Hotelküche unter ihrem Zimmer Geschirrgeklapper und das Geplapper der Köche, und wenn sie das Fenster öffnete, erfüllten die Küchengerüche ihr Zimmer.

Sie seufzte, dann gab sie sich einen Ruck und entwarf folgenden Kartentext:

Liebe ...

Ich bin gut auf dieser wunderschönen Insel angekommen. Es duftet hier nach all den herrlichen Blumen. Ich liege am feinen Sandstrand in der Sonne und geniesse das Dolce far niente.

Herzliche Grüsse, Angela

Sie atmete auf. 15 Karten waren zu schreiben - reine Fleissarbeit.

Als sie bei Karte 9 angekommen war, stand plötzlich ein Hotelgast neben ihr, der ihr im Speisesaal schon aufgefallen war, weil er wie sie alleine an einem Tisch sass. Sie hatte sich gefragt, was er wohl über sie dachte: Dass sie keinen abgekriegt hatte? Dass sie wohl geschieden sei? Dass sie auf Männersuche sei hier auf der Insel?

Sie hatte sich über ihn kurz dasselbe gefragt. Aber sie wusste: Ob es stimmte oder nicht - ein Leben liess sich nicht in drei Sätzen abhandeln.

"Störe ich Sie?" fragte er nun lächelnd und deutete auf ihren Postkarten-Stapel. "Nein, nein, das ist nur Arbeitsbeschaffung", lachte sie. „Darf ich Sie zu einem Drink einladen? Viel mehr kann man ja nicht machen bei diesem Wetter", schlug er vor. Sie musste nicht lange überlegen. "Gerne", lächelte sie, packte ihre Postkartenbeige zusammen und ging mit ihm Richtung Bar davon.

Dabei dachte sie: "Schade, habe ich schon den grössten Teil der Karten geschrieben."

6. 6. 15: Geschichten im Halbstundentakt - an der KulTour in Baden

Der letzte Flug

Literarische Miniaturen - leicht abgehoben - über das Abheben und Landen.
Davor und danach eine Portion Jazz mit Tatjana Bucher (Gesang) und Daniel Notter (Gitarre).

in der Stadtbibliothek Baden, Mellinger Str. 19
am Samstag, 6. Juni 2015
um 17  / 17.30 / 20 / 21.30 / 22.00 Uhr

anlässlich der "KulTour" (Kultur im Halbstundentakt) in Baden
(siehe www.kultourinbaden.ch)

31. 5. 15: Das C4T nimmt Abschied von der Kronengasse - kleine Abschieds-Lesung

"Kronengasse ... adieu"
Abschiedsfest des Kulturcafés C4T, Kronengasse 4, Baden
vom Freitag, 29., bis Sonntag, 31. Mai
mit Künstlern, die im C4T aufgetreten sind.

Mein Auftritt: Sonntag, 31. Mai, 15 Uhr

(Das C4T wird an neuer Adresse weiterleben! Siehe auch www.c4t.info)